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Kleidersammlungen und FairWertung

Schaden Gebrauchtkleiderexporte der Wirtschaft in Afrika bzw. der Dritten Welt?

Die Mitglieder von FairWertung haben sich seit Gründung des Verbandes immer wieder damit befasst, wie sich Gebrauchtkleiderexporte auf die Märkte der Importländer auswirken. Mit dem „Dialogprogramm Gebrauchtkleidung in Afrika“ ist FairWertung dieser Frage vor allem in Tansania und Kamerun nachgegangen.

Viele Gespräche vor Ort zeigten, dass die meisten Menschen überwiegend Secondhand-Kleidung tragen. Als Gründe dafür werden das gute Preis-Leistungsverhältnis und die große Auswahl an Artikeln angeführt - vor allem aber das geringe Einkommen. Für Viele ist Secondhand-Kleidung die einzige Möglichkeit, gute Kleidung zu einem bezahlbaren Preis zu kaufen. Die ebenfalls angebotene Neukleidung aus China hat dagegen oft eine schlechtere Qualität und ist klimatisch weniger gut geeignet, weil sie vielfach aus synthetischen Materialien besteht.

Hinzu kommt, dass besonders viele Menschen, insbesondere Frauen und Jugendliche vom Handel mit gebrauchter Kleidung leben. Auch eine von einem britischen Institut 2004 in Kenia durchgeführte Untersuchung betont diesen Aspekt besonders.

Allerdings wurde auch auf verschiedene Probleme im Secondhand-Markt hingewiesen. Dazu gehören z.B. die nachlassende Qualität der Kleidung. Aber auch Monopolstrukturen im Handel und gravierende Verstöße gegen Importvorschriften beim Verzollen und Versteuern der Waren

Der Rückgang der Textilproduktion wird von vielen – anders als in Deutschland diskutiert –nicht in erster Linie auf den Import von Secondhand-Kleidung zurück geführt. Vielmehr seien hohe Energiekosten, ein schlechter Zugang der Betriebe zu Kapital, mangelndes Know-how, fehlende Ersatzteile etc. für die rückläufige Bekleidungsproduktion verantwortlich. Auch der Wegfall von Subventionen für die Textilwirtschaft und von Importbeschränkungen für ausländische Neutextilien im Rahmen von nationalen Umschuldungsprogrammen hätten dazu beigetragen. Deshalb sei die Annahme nicht zutreffend, dass es bei einer Einschränkung der Secondhand-Importe ein ausreichendes Bekleidungsangebot aus lokaler Produktion geben könne. Außerdem wolle man sich auch nicht von anderen Ländern vorschreiben lassen, welche Kleidung man zu tragen habe - so der häufige Tenor.

In den 1990er Jahren noch hatte FairWertung Exporte von Secondhand-Kleidung nach Afrika kritisch beurteilt. Durch das Dialogprogramm und andere Untersuchungen teilt FairWertung die pauschale Kritik an Gebrauchtkleiderexporten heute nicht mehr.