Altkleider – Rohstoff für soziale Arbeit

Altkleidersammlungen von gemeinnützigen Organisationen haben in Deutschland eine lange Tradition. Bis zum Aufkommen der Sammelcontainer in den 1990iger Jahren wurde Gebrauchtkleidung sogar ausschließlich von gemeinnützigen und kirchlichen Organisationen gesammelt. Ehrenamtliche Helfer_innen verteilten Beutel und Zettel an alle Haushalte und sammelten die Säcke Samstag morgens in den Straßen ein. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Textilien wurden soziale Projekte im In- und Ausland finanziert.

Inzwischen hat die Straßensammlung stark an Bedeutung verloren und wurde zunehmend von anderen Sammelformen abgelöst. Geblieben ist allerdings die wichtige Rolle gemeinnütziger Organisationen bei Kleidersammlungen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag des Fachverbandes Textilrecycling (FTR) wollen 88 Prozent der Bevölkerung mit ihrer gebrauchten Bekleidung Menschen oder gemeinnützige Organisationen unterstützen. Viele geben daher ihre Sachen persönlich in einem Kleiderladen oder Gebrauchtkaufhaus ab. Inzwischen gibt es selbst in kleineren Orten solche Einrichtungen. Dort werden die Textilien auf ihre Verwendbarkeit geprüft, ggf. aufgearbeitet und preisgünstig als Secondhandartikel angeboten.

Auch von den über 120 Organisationen im Dachverband FairWertung betreiben ca. die Hälfte einen oder sogar mehrere Secondhandläden. Oftmals sind sie als Beschäftigungsprojekt organisiert: Neben dem Angebot an preisgünstiger Bekleidung schaffen sie Arbeitsmöglichkeiten für Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Allerdings werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 750.000 Tonnen Gebrauchtkleidung abgegeben. Ein Vielfaches der Menge, die soziale Einrichtungen für die direkte Weitergabe an bedürftige Menschen hier in Deutschland benötigen. Auch viele Sozialkaufhäuser erhalten mehr Textilien, als sie selbst weitergeben können. Deshalb verkaufen sie ihre Überschüsse an Textilrecyclingfirmen. Die dadurch erzielten Erlöse helfen, die Unterhaltung des Ladens oder andere soziale Arbeitsbereiche zu finanzieren.

Das gleiche gilt für die gemeinnützigen FairWertung-Organisationen, die Straßen- oder Containersammlungen durchführen. Der Erlös aus ihren Sammlungen fließt vollständig in ganz unterschiedliche Vorhaben: Zeltlager für Jugendliche, Bildungsmaßnahmen, Mutter-Kind-Kuren oder die Renovierung eines Jugendzentrums.
Andere FairWertung-Organisationen unterstützen mit den Erlösen ihrer Sammlungen entwicklungspolitische Projekte in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Dazu gehören zum Beispiel der Aufbau von Mikrokreditgenossenschaften, die Ausbildung von Hebammen oder die Förderung von Bewässerungsanlagen und Schulen.

Straßensammlungen gemeinnütziger Organisationen leben vom Engagement ehrenamtlicher Helfer_innen. Für viele junge Menschen ist die Beteiligung an Straßensammlungen eine prägende Erfahrung für weiteres ehrenamtliches Engagement. Sie setzen sich (körperlich) dafür ein, Mittel für Menschen in ärmeren Regionen zu erwirtschaften. Gleichzeitig werden sie für den Umgang mit Kleidung und für Fragen des nachhaltigen Konsums sensibilisiert.

Es lohnt sich also, die Sammlungen der gemeinnützigen FairWertung-Organisationen zu unterstützen. Jedes Kleidungsstück, das in eine ihrer Sammlungen gegeben wird, fördert direkt oder indirekt soziale Arbeit – in Deutschland oder anderswo.

Alle FairWertung-Organisationen haben sich außerdem verbindlich auf Sammel- und Verwertungsstandards verpflichtet. Sie belegen damit, dass sie sorgfältig und verantwortlich mit den Textilien umgehen, die in ihre Sammlungen gegeben werden. Damit ist auch ausgeschlossen, dass sie sich auf fragwürdige Sammelmethoden oder Abnehmer einlassen.

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