Pleas don´t smile - Ghanas Jugend experimentiert mit Mitumba

Der Fotograf Malte Wandel (31) lebt und arbeitet in München und Köln. Während eines neunmonatigen Aufenthalts in Ghana, Burkina Faso und Togo entstand 2011 die Fotoserie Please don´t smile. Die Portraitbilder geben einen authentischen Einblick in das Leben Westafrikas. FairWertung sprach mit dem Fotografen.

Herr Wandel, viele Ihrer Arbeiten sind in Afrika entstanden. Woher stammt Ihre Faszination für diesen Kontinent?
Es sind vor allem die Menschen, die mich faszinieren. Sie sind freundlich und offen, und überall findet man Gastfreundschaft. Auch die Vermischung verschiedener Kulturen und Einflüsse interessiert mich sehr. Es gibt unglaublich viele Geschichten zu entdecken.

Die Fotoserie Please don´t smile zeigt Portraits von Menschen in Ghana, Burkina Faso und Togo. Wie sind Sie auf die Idee zu der Serie gekommen?
Ich bin eher zufällig nach Westafrika gekommen, als meine Freundin die Chance bekam, ein Jahr in Ghana zu arbeiten. Wir kannten das Land vorher nicht und ich hatte keine Idee für ein fotografisches Projekt. In Ghana war ich fast immer zu Fuß oder in voll gestopften Kleinbussen unterwegs und bin vielen Menschen begegnet. Da kam die Idee von ganz allein. Insgesamt hat es noch fast sechs Monate gedauert, bis eine Serie daraus wurde.

Was wollen Sie mit den Bildern zeigen?
Jede Aufnahme steht für eine Begegnung. Besonders wichtig ist mir, dass meine Fotografien nicht die typischen Afrikaklischees bedienen. Ich versuche, ein differenziertes Bild von den Persönlichkeiten zu zeichnen und mich nicht vorrangig auf die Armut zu stürzen. Ich will mit meinen Bildern von spannenden Subkulturen, kreativem Umgang mit Kleidung und Zufriedenheit erzählen - an Orten, wo wir überheblichen Europäer nicht damit rechnen.

Wie sind die Bilder entstanden?
Nach einigen Monaten in Ghana habe ich wie selbstverständlich Leute auf der Straße angesprochen. Ich habe einfach den Spies umgedreht: Als Weißer - von Ghanaern Obruni genannt - wird man permanent angesprochen. Viele wollen wissen, wo man gerade hingeht oder was man macht. „Obruni, I like your style!“ rief mir einmal jemand zu. So ähnlich habe ich dann auch die Menschen angesprochen, die meine Aufmerksamkeit geweckt haben. Und alle wollten fotografiert werden.

Die Menschen tragen ganz unterschiedliche Outfits. Was bedeutet Kleidung für sie?
Ich muss zunächst sagen, dass meine Serie nicht die durchschnittliche Bekleidung der Ghanaer oder Westafrikaner zeigt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung kleidet sich traditionell afrikanisch. Ich habe die Menschen, die ich fotografiert habe, sehr subjektiv ausgewählt und nach kreativem Umgang mit westlicher Kleidung gesucht. Dem Arbeiter mit dem Designer-T-Shirt vom Secondhandmarkt zum Beispiel ist wichtig, wie er sein Hemd kombiniert. Die Vielfalt der bunten afrikanischen Stoffe auf den Straßen oder das Michael Jackson-Outfit zeigen, dass in Ghana mehr Wert auf kreativen Umgang mit Kleidung gelegt wird als in manch reicherem Land.

Ein junger Mann trägt eine Uhr am Bein, ein ungewöhnliches Accessoire. Was hat es damit auf sich?
In Ghana gibt es einen Kleidungsstil, der sich „Old Skuul“ nennt und unter jungen Leuten weit verbreitet ist. An wichtigen Feiertagen ziehen sich Anhänger dieser Subkultur besonders verrückt an und orientieren sich, wie der Name schon sagt, an der alten Schule, dem Kleidungsstil ihrer ehemaligen europäischen Kolonialherren. Der junge Mann nennt sein Outfit „Der Uhrmacher“. Ich habe ihn aber auch als Ingenieur oder Lehrer fotografiert.

Gibt es ein Motiv, das Ihnen besonders gefällt?
Mir bedeuten die Aufnahmen mit dem Michael Jackson-Outfit besonders viel. Ich habe Stanley schon am dritten Tag in Ghanas Hauptstadt Accra angesprochen. Er tanzte wie Michael Jackson. Es kostete mich große Überwindung, nach seiner Nummer zu fragen, denn ich war noch gar nicht richtig angekommen. Monate später habe ich ihn dann fotografiert und bis zum Ende meines Aufenthalts immer wieder getroffen. Sein Portrait ist deshalb auch das erste Bild der Serie.

Welche Bedeutung haben Gebrauchtkleider – auch Mitumba genannt - für die Westafrikaner_innen?
Es gibt wirklich sehr viele Altkleidermärkte in Westafrika. Für einige Menschen sind sie die einzige Möglichkeit, an bezahlbare Kleidung zu kommen. Andere, wie die Old Skuul-Anänger, nutzen die Vielfalt auf den Märkten, um ihren modischen Vorbildern nachzueifern. Ich denke, dass Mitumba auch eine Bereicherung für die Modeszene in Westafrika ist. Ich sehe sie nicht als Konkurrenz zu lokalen Designern und Produzenten oder zu traditioneller afrikanischer Kleidung.

Der Gebrauchtkleiderhandel mit afrikanischen Ländern wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Wie schätzen Sie ihn ein?
Die Altkleidermärkte in Westafrika versorgen einen Großteil der Bevölkerung mit lebenswichtiger Kleidung und schaffen viele Arbeitsplätze. In Ghana versteht man die deutsche Diskussion nicht. Natürlich wäre es schön, wenn sich jeder lokal produzierte, neuwertige Kleidung leisten könnte. Doch das Problem für die lokale Produktion ist nicht Mitumba – es sind eher die Importe von Billigkleidung aus Niedriglohnländern. Auch die traditionellen Stoffe stammen immer häufiger nicht aus afrikanischer Produktion.

Weitere Informationen zu Malte Wandel und seiner Arbeit finden sie hier

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