"Kleidersammlung ist Vertrauensarbeit"

Aktion hoffnung Augsburg unterstützt private Grundstückseigentümer bei der Abräumung ungenehmigt aufgestellter Container. Im Interview schildert Gregor Uhl, Geschäftsführer aktion hoffnung Augsburg, die Gründe für die Initiative und zieht eine Zwischenbilanz.

Die aktion hoffnung Augsburg bietet eine Art Räumungsservice für ungenehmigt aufgestellte Container an. An wen richtet sich das Angebot?
Wir unterstützen Privateigentümer von Grundstücken, Firmen und Einzelhändler, eigentlich alle Personen in unserem Sammelgebiet in Bayern, die über Nacht einen nicht genehmigten Container auf ihrem Grundstück vorfinden. In Einzelfällen beraten wir auch Kommunen und Landkreise.

Und was muss ich tun, wenn ich solch einen Container auf meinem Grundstück entdecke?
Wir stellen dazu ein Formular bereit. Die Betroffenen beauftragen uns damit, den Aufsteller zur Räumung des Platzes aufzufordern. Reagiert er innerhalb einer bestimmten Frist nicht, räumen wir den Container ab.


Die Aktion Hoffnung Augsburg räumt einen ungenehmigt aufgestellten Container

Wie wird das Angebot angenommen und was passiert mit den abgezogenen Containern?
Das Angebot wird sehr gut angenommen. Mittlerweile haben wir 325 Behälter abgezogen, die ohne Genehmigung des Grundstücksbesitzers aufgestellt waren.
Die Container werden bei uns eingelagert; die Kosten für Räumung und Lagerung stellen wir den Betreibern der Container in Rechnung. Allerdings reagieren nur sehr wenige Unternehmen. Einige dubiose Firmen, die das ungenehmigte Aufstellen systematisch zu betreiben scheinen, ignorieren unsere Rechnungen einfach. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass wir auf den Containern und den Kosten sitzen bleiben.

Wieso betreibt die aktion hoffnung Augsburg diesen Aufwand, wenn sie doch am Ende auf den Kosten sitzen bleibt?
Wir sind immer wieder von Bürger_innen angesprochen worden, die plötzlich einen Container auf ihrem Grundstück stehen hatten. Da wollten wir natürlich helfen. Wir sind zudem auf die Kleiderspenden der Menschen in der Region angewiesen und wollen und müssen uns daher auch klar von diesen Praktiken abgrenzen. Mit unserer Initiative versuchen wir, den Spender_Innen die Sicherheit zu geben, dass sie sich darauf verlassen können, dass alle Kleiderbehälter in der Region tatsächlich gemeinnützig sind. Kleidung zu sammeln ist Vertrauensarbeit und wir wollen uns das Vertrauen der Menschen sichern. Das gelingt uns, denke ich, sehr gut - zumindest ist die Resonanz durchweg positiv.

Können Sie feststellen, ob die Anzahl der ungenehmigt aufgestellten Container in der Region abnimmt?
Ich habe schon den Eindruck, dass im Vergleich zu anderen Regionen weit weniger Container aufgestellt sind oder neu aufgestellt werden. Mir zeigt dies, dass die Zusammenarbeit von Bürger_innen, kommunaler Politik und seriös arbeitenden Sammlern eine erfolgreiche Strategie gegen dubiose Sammelpraktiken sein kann.

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