Kreislaufsystem zum Nulltarif - Die Kosten des Textilrecyclings

In Deutschland wird jedes Jahr Kleidung im Wert von über 50 Milliarden Euro gekauft. Nach nur kurzer Zeit hat sie jedoch häufig schon wieder ausgedient. Niedrige Preise verlocken zum Schnell- und Vielkauf - kurze Modezyklen geben den Takt hierfür vor. Viel und billig heißt aber auch häufig: schlechte Qualität, schlechte Verarbeitung und kurze Haltbarkeit. So wandern jedes Jahr große Mengen an ausrangierter Kleidung in den Kreislauf des Textilrecyclings oder aber direkt in den Müll.

Schwindende Qualität: Masse statt Klasse

Rund 750.000 Tonnen Textilien unterschiedlichster Qualität werden derzeit pro Jahr vor allem in Altkleidercontainern entsorgt (Stand: 2009). Ca.120.000 Altkleidercontainer sind es mittlerweile bundesweit - doppelt so viele, wie noch vor zehn Jahren. Ein kleinerer Anteil an Kleidung gelangt in die Sammelsäcke von Straßensammlungen, so das Ergebnis einer neuen Studie aus dem Jahr 2008. Im Jahr 1996 waren es noch insgesamt an die 615.000 Tonnen Kleidung. Deutschland steht damit in Westeuropa an der Spitze, was das Aufkommen an Gebrauchtkleidung anbelangt. Der Anteil an noch tragbarer Secondhand-Kleidung geht allerdings kontinuierlich zurück, so das weitere Ergebnis der Studie. Der Grund hierfür: Die Kaufkraft schwindet aufgrund der schleichenden Rezession und als Folge hiervon wird vermehrt Billigkleidung von schlechter Qualität gekauft. Der großen Menge an Gebrauchtkleidung in Deutschland und in Westeuropa steht allerdings seit Mitte der 1990er Jahre auch eine steigende Nachfrage nach Secondhand-Kleidung in „ärmeren Ländern“ gegenüber. Der Secondhand-Markt ist inzwischen für viele Menschen eine wichtige Quelle geworden, um sich mit Kleidung zu versorgen. (in 2016 ist eine neue Studie erschienen. Anm. der Redaktion)

Ressourcen schonen
Doch was heißt Textilrecycling genau? Grundsätzlich versteht man hierunter den gesamten Prozess vom Sammeln, über das Sortieren, bis zum Aufbereiten und Vermarkten von gebrauchter Kleidung und Haushaltstextilien. Im engeren Sinne geht es jedoch um das Verarbeiten minderwertiger Gebrauchttextilien zu Putzlappen und Sekundärrohstoffen. Das geschieht in spezialisierten Industriebetrieben. Die gewonnenen Rohstoffe werden hier zu neuen Produkten verarbeitet. Insgesamt lassen sich gut 80 Prozent der Originalsammelware als Second-hand-Kleidung beziehungsweise Recyclingmaterial wiederverwenden oder weiterverwerten. (Stand:2009)

Kleidung kostenlos entsorgen
Textilrecycling leistet daher einen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften und zwar mit einem Kreislaufsystem, das sich selbst finanziert. Denn wer ausrangierte Kleidung und alte Schuhe im nahe gelegenen Container oder bei der nächsten Straßensammlung abgibt, der muss nichts dafür bezahlen. Das ist jedoch nicht selbstverständlich. Für das Recycling anderer Haushaltsartikel werden schon längst Gebühren genommen, so beispielsweise für Verpackungen beim Grünen Punkt oder bei der Rücknahme von Elektrogeräten. Dass bisher weder Hersteller noch Käufer eines Kleidungsstücks die Kosten für dessen spätere Verwertung tragen müssen, ist aber nur den Wenigsten bewusst. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass es sich beim Textilrecycling um eine spezialisierte Branche handelt, die über das Einsammeln, Sortieren und Verwerten von Gebrauchtkleidung an einem weltweiten Marktgeschehen beteiligt ist. Bei keinem Rohstoffmarkt spielen allerdings auch gemeinnützige Einrichtungen eine so bedeutsame Rolle wie in dieser Branche. In Eigenregie oder in Kooperation mit gewerblichen Unternehmen erwirtschaften sie durch Kleidersammlungen Finanzmittel für ihre Arbeit.
Dreh- und Angelpunkt für das Textilrecycling sind allerdings die Sortierbetriebe. Denn sie sorgen dafür, dass die gesammelten Kleidungsstücke, Haushaltstextilien, Schuhe und sonstigen Gegenstände nach Artikeln und Qualität getrennt, ihren weiteren Weg als Secondhand-Ware, Putzlappen oder verwertbarer Rohstoff nehmen können.

Dieser Artikel ist im Magazin Brauchbar 2009 erschienen

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