Kleiderspenden für Flüchtlinge

Seit 2014 fliehen mehr und mehr Menschen nach Deutschland, um sich vor Bürgerkriegen und Armut in ihrer Heimat zu schützen. Die meisten besitzen nur noch das, was sie am Leibe tragen. Die örtliche Behörden müssen in kürzester Zeit ihre Unterbringung und Versorgung organisieren. Die Ausstattung der Menschen mit angemessener Kleidung und Dingen des täglichen Bedarfs ist auch eine logistische Herausforderung - auch wegen der großen Spendenbereitschaft der Bundesbürger.

Menschen in ganz Deutschland möchten Flüchtlingen helfen. Sie sortieren nicht mehr benötigte Textilien aus und geben sie direkt in den Unterkünften ab. Allerdings führt dies oft zu erheblichen Problemen. So wurden im Oktober 2014 innerhalb kurzer Zeit so viele Säcke im Erstaufnahmelager der Münchener Bayernkaserne abgegeben, dass die Betreiber die Mengen nicht mehr bewältigen konnten. Daher beauftragte die Stadt die Beschäftigungsgesellschaft diakonia mit der Sortierung und Bereitstellung von Kleidung und Dingen des täglichen Bedarfs. Der evangelischen Organisation kam dabei ihre jahrelange Erfahrung im Umgang mit Altkleider- und Gebrauchtwarenspenden zugute.

Vielfältige Herausforderungen
„Wir hier in München sind immer noch überwältigt von der großen Spendenbereitschaft der Bürger_innen“, sagt Martina Kreis, Betriebsleiterin von diakonia secondhand. Diese Solidarität bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich: Die Spenden müssen zunächst sortiert, dann den Bedürfnissen eines Flüchtlingsheims entsprechend zusammen gestellt und anschließend verteilt werden. Die meisten Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte verfügen jedoch weder über das notwendige Know-how im Umgang mit den Spenden, noch über die personellen Ressourcen. Zudem stehen meist nicht genügend Räumlichkeiten für die Sortierung und ein Textillager zur Verfügung. Nicht zuletzt muss die Verteilung der Kleidungsstücke organisiert werden. All dies erfordert eben jene Erfahrung, die auch den Betreibern der Bayernkaserne fehlte.

Daher sollten sich Spender_innen zunächst vor Ort erkundigen, wo sie ihre Sachspenden abgeben können und welche Dinge tatsächlich benötigt werden. Häufig sind zum Beispiel kleine Herrengrößen und Reisetaschen oder Koffer Mangelware. In der Münchener Bayernkaserne kann mittlerweile mehrmals in der Woche Kleidung ausgegeben werden. Dabei war es der diakonia ein besonderes Anliegen, dass sich die Flüchtlinge die Kleidung wie in einem Kaufhaus aussuchen können. Der gesamte Ladenbereich ist mit kleinen Bildern versehen, damit sich alle zurechtfinden. Auf den großen Andrang bei der Öffnung des Ladens reagierte die diakonia mit einer kontrollierten Einlassregelung und organisierte die Vergabe von Kleidung mithilfe einer Art Checkliste.

Ein anderes Konzept verfolgt die AWO Bildung und Arbeit Itzehoe zusammen mit der Hoelp gGmBh aus Dithmarschen. Die beiden gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaften haben 5.000 Gutscheine für Flüchtlinge und Asylsuchende den lokalen Ämtern in den fünf Landkreisen, in denen sie aktiv sind, zur Verfügung gestellt. Diese Gutscheine für Bekleidung und Spielzeug, die einen Wert von 15 Euro haben und in sieben Sprachen verfasst sind, gelten in jedem der 18 Sozialkaufhäuser der Organisationen. Aufgrund der günstigen Preise in den Kaufhäusern, können sich die Menschen so mit einem Gutschein komplett einkleiden. „Wir wollen, dass jeder Flüchtling, der in einem Landkreis ankommt, in dem wir tätig sind, einen Gutschein bekommt.“ sagt Geschäftsführer Martin Meers. Die Aktion ging dabei von den Organisationen selbst aus, die auf die Ämter zugingen. „Diese Form der Hilfe entspricht ganz unserem Leitmotiv: Von Menschen für Menschen – aus der Region für die Region“ sagt Meers.

Beide Beispiele zeigen, dass Kleiderspenden in der Flüchtlingshilfe dringend benötigt werden – und dass für eine effiziente Versorgung der Menschen viel Erfahrung notwendig ist.

Übrigens: Zahlreiche Organisationen sind bei ihrer Flüchtlingsarbeit auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Neben gebrauchter Kleidung können Sie vielerorts auch Ihre Zeit spenden, indem Sie vor Ort mithelfen. Fragen Sie einfach bei örtlichen Organisationen und Initiativen nach, wie Sie helfen können.

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