Aufklärung bleibt wichtige Aufgabe

Andreas Voget arbeitet seit über 14 Jahren als Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung. Er war der erste hauptamtliche Mitarbeiter, den der Verein nach seiner Gründung einstellte.
Auch in Zukunft sieht er noch einen großen Handlungsbedarf, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für den Umgang mit gebrauchter Kleidung zu schärfen

15 Jahre FairWertung – was heißt das für Sie, Herr Voget?


Andreas Voget, Geschäftsführer FairWertung e.V.

Rückblickend heißt es, dass FairWertung viel Pionier- und vor allem Aufklärungsarbeit geleistet hat. Besonders was die Zusammenhänge im Gebrauchtkleidermarkt anbelangt. Außerdem hat der Verband erstmals Standards für faire und transparente Kleidersammlungen entwickelt. Heute sind FairWertung über 100 Organisationen angeschlossen. Anfangs waren die meisten davon „Straßensammler“. Seit einigen Jahren jedoch ist die Zahl der Mitglieder mit eigenen Secondhand-Läden stark gestiegen. Heute haben wir eine jährliche Sammelmenge von mehr als 41.000 Tonnen pro Jahr erreicht. FairWertung ist damit zu einem ernst zu nehmenden Akteur in der Gebrauchtkleiderbranche geworden. Das zeigt sich auch an den Anfragen von Journalist/-innen, die FairWertung um Informationen und Stellungnahmen bitten. Wir hören dann oft: „Wer über den Altkleidermarkt berichten will, kommt an FairWertung nicht vorbei.“ Und selbst frühere Kritiker aus der Altkleiderbranche loben heute die Informationsarbeit von FairWertung. Denn gute, sachliche Information wirkt sich insgesamt positiv auf die Branche aus, macht sie quasi „salonfähiger“.

Die Arbeit von FairWertung hat einiges verändert. Doch nach wie vor sorgen Kleidersammlungen von Zeit zu Zeit für negative Schlagzeilen. Wo sehen Sie Ihre Kernaufgaben in den kommenden Jahren?
Es ist richtig, auch heute gibt es noch zahlreiche Missstände bei Kleidersammlungen. Vor allem, was die teils sehr dreisten Methoden angeht, an gebrauchte Kleidung zu kommen. Lange Zeit diskutierte man in der Öffentlichkeit vor allem über das Für und Wider von Kleider- Exporten. Fragwürdige Praktiken beim Sammeln von Textilien blieben dagegen lange unbeachtet. Dazu gehört zum Beispiel, wenn gewerbliche Sammler eine karitative Sammlung vortäuschen oder Kleidercontainer ohne Genehmigung aufstellen. Leider ist außerdem der Namens- und Logoverkauf durch gemeinnützige Organisationen auch heute noch eine gängige Methode. Gewerbliche Firmen mieten dabei den Namen und das Logo einer gemeinnützigen Einrichtung, um Kleidung zu sammeln. Die Einrichtung selbst hat mit der Kleidersammlung nichts zu tun und weiß auch in der Regel nicht, was anschließend mit den Textilien geschieht. Auch sind Namensverkauf und gewerblicher Hintergrund für Außenstehende meist nicht erkennbar.
Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, werden wir weiter eng mit den Verbraucherverbänden zusammenarbeiten. Außerdem wollen wir unsere Überzeugungsarbeit bei Vereinen fortsetzen, sich nicht an derartigen Praktiken zu beteiligen. Aufklärungsarbeit wird damit auch in Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit sein. Wir haben zudem vor, verstärkt den Kontakt zu Kommunen zu suchen, um unsere Arbeit bekannter zu machen. Bislang fehlt häufig die Kontrolle, was mit den Textilien passiert, die auf öffentlichen Flächen gesammelt
werden. FairWertung kann dagegen schon jetzt die sachgerechte Verwertung der gesammelten Textilien für die angeschlossenen Organisationen bestätigen und die Nachweispflichten des novellierten Kreislaufwirtschaftsgesetzes erfüllen.

Was wünschen Sie sich für die zukünftige Arbeit von FairWertung?
Ich wünsche mir, dass bei Sammelorganisationen das Bewusstsein dafür wächst, dass sie Teil einer weltweiten Verwertungskette sind. Und dass sie sich genau überlegen, wem sie ihre Kleidung verkaufen. Denn schließlich sind sie dafür verantwortlich, dass die Textilien ordentlich verwertet werden. Natürlich wünsche ich mir auch, dass sich möglichst viele weitere Organisationen FairWertung anschließen. Dadurch könnten wir unsere Grundsätze einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und noch mehr Menschen für das Thema Gebrauchtkleidung sensibilisieren. Denn FairWertung fängt im eigenen Kleiderschrank an.

Dieser Artikel ist im Magazin Brauchbar 2010 erschienen

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