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Häufige Fragen

Kleidersammlungen und FairWertung

  • Q. Warum gibt es FairWertung?

    Wer Kleidung sammelt, ist auch dafür verantwortlich, was mit der Kleidung geschieht. Mit dieser Überzeugung gründeten mehrere Organisationen 1994 den Dachverband FairWertung e.V.

    Der Verband möchte mit seinen verbindlichen Standards mehr Transparenz und Fairness in das Sammeln und Vermarkten von Gebrauchtkleidung bringen. Denn viele Sammler gehen nach wie vor nicht offen damit um, dass sie die Kleidung an gewerbliche Abnehmer verkaufen. Sie wissen oft auch gar nicht, wohin die von ihnen gesammelte Kleidung eigentlich geht.

    Eine wichtige Aufgabe sieht der Dachverband daher darin, ausführlich darüber zu informieren, was mit Gebrauchtkleidung geschieht, aber auch, welche fragwürdigen Praktiken dabei zu beobachten sind.

    Außerdem beschäftigt sich FairWertung mit der Frage, wie sich der Export von Second-hand-Kleidung auf die Märkte in den Importländern auswirkt. Mit dem „Dialogprogramm Gebrauchtkleidung in Afrika“ hat der Verband eine eigene Untersuchung dazu durchgeführt.

    Über 125 Organisationen sind mittlerweile Partner des Dachverbandes. Man erkennt sie am Zeichen von FairWertung auf Containern, Sammelzetteln und Sammelbeuteln.

  • Q. Warum sollte ich meine Kleidung an einen FairWertung-Sammler geben?

    • Organisationen, die FairWertung angeschlossen sind, sammeln immer unter eigenem Namen. Sie vergeben keine Namens- oder Markenlizenzen an gewerbliche Sammelfirmen.
    • Container werden nur mit Erlaubnis der Grundstückseigentümer und Kommunen aufgestellt.
    • Die angeschlossenen Partner haben sich verpflichtet, beim Verkauf der Sammel-ware alle abfall-, zoll- und steuerrechtlichen Bestimmungen einzuhalten.
    • Die Erträge aus den Sammlungen kommen unmittelbar oder mittelbar sozialen, diakonischen oder karitativen Aufgaben zugute.
    • Die Ergebnisse einer Sammlung und der Verkauf der Ware an Sortierbetriebe sind gegenüber FairWertung offen zu legen und unterliegen einer externen Kontrolle.

    FairWertung sucht außerdem die Zusammenarbeit mit Beschäftigungsgesel-
    lschaften. Sie fördern und qualifizieren Menschen, die schon lange ohne feste Beschäftigung sind.

  • Q. Gibt es einen FairWertung-Sammler in meiner Umgebung?

    Der Dachverband FairWertung informiert Sie gern über Annahmestellen, Containerstandorte und Straßensammlungen der angeschlossenen Organisationen in Ihrem Postleitzahlengebiet.

    Einfach die automatisierte Standortabfrage (gelbes Schild) mit PLZ/Stadt und einem Straßennamen ausfüllen.

    Wenn es in Ihrer Nähe noch keinen entsprechenden Sammler gibt, dann empfehlen Sie den örtlichen Sammelorganisationen, sich FairWertung anzuschließen!

  • Q. Wie erkenne ich eine unseriöse Sammlung?

    Misstrauen ist grundsätzlich angebracht, wenn ein Sammler sehr gefühlsbetont oder mit christlichen Symbolen wie Kreuz oder Kirche wirbt. Hier wird vielfach ein gemeinnütziger Zweck vorgetäuscht. Fehlen Kontaktdaten wie Name und Adresse, so ist dies ein weiteres Indiz für unseriöse Geschäftemacherei. Häufig ist nur eine Handynummer angegeben, die gar nicht vergeben ist oder bei der ein Anrufbeantworter mit dieser oder einer ähnlichen Ansage zu hören ist: „Diese Mailbox kann zur Zeit keine weiteren Nachrichten annehmen.“

    Vorsichtig sollten Sie auch bei Sammlungen mit Wäschekörben oder Sammeltonnen sein. Meist sind es gewerbliche Sammler, die dafür gezielt einen Vereinsnamen gemietet haben. Sie greifen außerdem bewusst in private Eigentumsrechte ein, wenn sie ohne Ihre Zustimmung einen Sammelbehälter auf Ihrem Grundstück aufstellen.

    Grundsätzlich ist es problematisch, wenn nicht zu durchschauen ist, wer hinter einer Kleidersammlung steckt. Das ist immer dann der Fall, wenn gemeinnützige Organisationen ihren Namen oder ihr Logo einem gewerblichen Sammler überlassen, ohne dass dies erkennbar ist. Die Organisation hat in solchen Fällen nichts mit dem Sammeln und Verwerten der Kleidung zu tun.

  • Q. Was gehört in den Sammelbeutel und was nicht?

    In die Kleidersammlung gehören nur gut erhaltene und modische Kleidung, Wäsche, Hüte & Mützen, Schals, Schuhe, Baby-Kleidung, Wolldecken, Bettwäsche, Gardinen, Tischdecken und Plüschtiere. Die Textilien müssen sauber und gut verpackt sein, die Schuhe paarweise zusammengebunden.

    Nicht in die Kleidersammlung gehören dagegen nasse, stark verschmutzte, sehr alte oder stark beschädigte Kleidung und Wäsche, abgetragene Schuhe, Einzelschuhe, Skischuhe, Klein- und Elektrogeräte. Es ist ökologischer, solche Dinge direkt in den Hausmüll bzw. in die Wertstoffsammlung zu geben. Sie in einen Container zu werfen, verursacht unnötige Kosten für Sammler und Sortierer.

  • Q. Was passiert eigentlich mit meiner Kleidung?

    Pro Jahr geben die Deutschen rund 1 Million Tonnen Textilien in Kleidersammlungen. Angesichts dieser Kleidermenge ist es völlig unrealistisch zu erwarten, dass die ausrangierte Kleidung ausschließlich sozialen Zwecken in Deutschland zugute kommt.

    Zwar unterhalten einige Partner von FairWertung Kleiderkammern oder Secondhand-Läden. Ein Teil der Sachen wird in diesen Einrichtungen sortiert und kostenlos weitergegeben oder zu sozialen Preisen verkauft. Vielfach werden dabei langzeitarbeitslose Menschen im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen beschäftigt. Vielfach übersteigen die gesammelten Mengen allerdings den Bedarf vor Ort. Die Überschüsse werden an gewerbliche Textilverwerter verkauft. Auch Kleidung, die in Containern oder über Straßensammlungen zusammenkommt, geht direkt und unsortiert an Sortierbetriebe im In- und Ausland. Dort werden alle Textilien per Hand nach ihrer Qualität sortiert. Die gut erhaltenen Sachen werden als Secondhand-Kleidung über verschiedene Vertriebswege z.B. nach Osteuropa, Afrika oder in den Mittleren Osten verkauft. Dort landet die Kleidung über viele Zwischen- und Kleinhändler am Ende in Secondhand-Läden oder auf Marktständen. Denn es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die auf preisgünstige Bekleidung angewiesen sind.

    Textilien, die sich nicht mehr als Secondhand-Kleidung eignen, gehen nach dem Sortiervorgang an Hersteller von Putzlappen oder Recyclingmaterial. Allerdings sind die Kosten für das Sortieren dieser minderwertigen Textilien oft höher als die Erlöse aus dem Weiterverkauf. Textilien, die weder für den Secondhand-Markt noch als Recyclingmaterial geeignet sind sowie alle textilfremden Stoffe gehen in die Abfallentsorgung.

  • Q. Welche gesetzlichen Bestimmungen gelten für Kleidersammlungen?

    Mit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) am 01.06.2012 sind Kleidersammlungen generell meldepflichtig. Sowohl gemeinnützige Organisationen als auch gewerbliche Sammler müssen ihre Sammlungen drei Monate im voraus bei der jeweils zuständigen "Unteren Abfallbehörde" anzeigen. Das ist in der Regel das Umweltamt (bei größeren bzw. kreisfreien Städten) oder das Umweltdezernat des Landkreises. Bei der Anzeige müssen u.a. Angaben über den Sammler, die Sammelform sowie Menge und Verbleib der zu verwertenden Gebrauchttextilien gemacht werden. Zudem muss dargelegt werden, wie eine ordnungsgemäße und schadlose Verwertung der gesammelten Abfälle gewährleistet ist. Während gemeinnützige Sammlungen keinerlei Beschränkungen unterliegen, kann die Behörde eine gewerbliche Sammlung untersagen, wenn „überwiegende öffentlichen Interessen“ entgegenstehen. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn die betroffene Kommune bereits eigene Kleidersammlungen durchführt.

    Für Container oder sonstige Sammelbehälter, die auf öffentlichen Flächen (z.B. Bürgersteigen, Straßen) abgestellt werden, muss darüber hinaus für jeden Standort eine sogenannte Sondernutzungserlaubnis der jeweiligen Kommune vorliegen.

    In Rheinland-Pfalz gibt es weiterhin ein Sammlungsgesetz, dass insbesondere die Anforderungen an gemeinnützige Sammlungen regelt. So muss z.B. die gemeinnützige Verwendung der Erlöse nachgewiesen werden. Das Gesetz bietet damit auch eine Handhabe, gegen gewerbliche Altkleidersammler vorzugehen, die durch Verwendung von entsprechenden Symbolen oder Formulierungen eine gemeinnützige Sammlung vortäuschen. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) mit Sitz in Trier fordert Informationen von den Sammlern an und veröffentlicht eine Pressemitteilung, wenn berechtigte Zweifel an der Gemeinnützigkeit einer Sammlung bestehen oder sie ein Sammlungsverbot ausgesprochen hat. (Pressemitteilungen der ADD finden Sie hier).
    Rheinland-Pfalz ist allerdings das einzige Bundesland, in dem Sammlungen durch eine gesonderte Behörde überwacht werden. Fast alle anderen Bundesländer haben ihr Sammlungsgesetz in den letzten 12 Jahren „im Zuge des Bürokratieabbaus“ abgeschafft.

  • Q. Kommt meine Kleidung in den Reißwolf?

    Gut erhaltene Textilien sind weltweit gesucht und werden daher grundsätzlich nicht zerschnitten oder zerrissen. Textilsortierbetriebe sortieren die gebrauchte Kleidung daher sehr aufwändig per Hand und prüfen sie auf ihre Qualität. Die gut erhaltenen Kleidungsstücke können nämlich mit Gewinn verkauft werden. Nur stark abgetragene, verschmutzte oder völlig unmoderne Kleidungsstücke werden an Putzlappenhersteller oder Recyclingfirmen veräußert.

    Unseriöse Sammler arbeiten häufig gezielt mit dem Satz „Ihre Kleidung kommt nicht in den Reißwolf, sondern wird weiter getragen“. Sie suggerieren damit, dies sei bei anderen Sammlern die Regel. Natürlich möchte niemand seine gute Kleidung im Reißwolf sehen. Diese Masche ist somit ein simpler Trick, um an möglichst viel Kleidung zu kommen und sie dann lukrativ zu verkaufen. Hierauf sollte man nicht hereinfallen!

  • Q. Landet meine Kleidung bei bedürftigen Menschen?

    Soll Ihre Kleidung möglichst sozialen Zwecken in Deutschland zugute kommen, dann geben Sie sie am besten bei einer örtlichen Kleiderkammer oder einem Sozialkaufhaus eines gemeinnützigen Trägers ab. Dort wird Kleidung direkt an Menschen mit weniger Geld weiter gegeben. Allerdings verkaufen auch diese Einrichtungen ihre überschüssigen Textilien an Sortierbetriebe. Die Erlöse hieraus gehen aber in jedem Fall in die Arbeit der Einrichtung.

    Die Sortierbetriebe sortieren die Kleidung nach Artikel und Qualität und verkaufen sie an Abnehmer in Osteuropa, Afrika und im Mittleren Osten weiter. Besonders in Regionen mit niedrigem Einkommen ist Secondhand-Kleidung sehr gefragt. Dort ist sie für viele Menschen die preisgünstigste Möglichkeit, sich mit guter und modischer Kleidung zu versorgen. Und damit ist sie am Ende der Kette doch bei jemandem gelandet, der sie gut gebrauchen kann.

  • Q. Werden mit meiner Kleidung Geschäfte gemacht?

    Nur in Kleiderkammern oder bei Hilfsgüterlieferungen wird Kleidung in der Regel kostenlos abgegeben. Was im Container oder bei einer Straßensammlung landet, wird dagegen verkauft. Auch von gemeinnützigen Sammlern.

    Vorbehalte gegen den Verkauf von gebrauchter Kleidung sind nur dann begründet, wenn dies nicht offen und ehrlich kommuniziert wird. Denn schließlich verdienen Unternehmen auch Geld mit dem Recyceln von Glas, Papier oder Dosen. Man sollte zudem bedenken, dass das Aufstellen und Leeren von Sammelcontainern, der Transport zum Sortierbetrieb und das Sortieren selbst Geld kosten. Trotzdem kann jede/r Kleidung bisher umsonst „entsorgen“. Bei anderen Wertstoffen wird dagegen seit langem das Einsammeln und Recyceln über die Müllgebühren oder Abgaben für den Grünen Punkt finanziert. Zudem schafft das Sammeln, Sortieren, Umarbeiten und der Verkauf von gebrauchter Kleidung Arbeitsplätze im In- und Ausland. Bei privaten Unternehmen wie auch bei gemeinnützigen Organisationen. So bieten z.B. Beschäftigungsinitiativen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen Arbeit und berufliche Qualifikation zum Beispiel in einem Secondhand-Laden oder einer Textilwerkstatt.

    In jedem Fall gilt: Mit jedem Kleidungsstück, das Sie einer gemeinnützige Einrichtung geben, unterstützen Sie soziale Ziele und helfen, Geld für Programme und Projekte zu erwirtschaften.

  • Q. Sind Hilfslieferungen mit Kleidung nicht viel besser als kommerzieller Handel?

    Auf den ersten Blick scheint es naheliegend, überschüssige Kleidung aus Deutschland als Hilfsgüterlieferungen in ärmere Ländern zu geben. Allerdings bringen auch Hilfstransporte häufig Probleme mit sich. Oftmals werden z.B. aus Unkenntnis oder aufgrund fehlender Absprache Textilien verschickt, die ungeeignet sind oder nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. Vielfach ist auch unklar, wer die Verteilung regelt und nach welchen Kriterien die Sachen vor Ort zu verteilen sind. Das Sammeln, Sortieren, Verpacken sowie der Transport verursachen außerdem erhebliche Kosten. Auch das ist zu bedenken.

    Hilfsgüterlieferungen haben wie kommerzielle Exporte erheblichen Einfluss auf lokale Märkte in den Empfängerländern. Massenhafte kostenlose Hilfslieferungen hätten vermutlich ähnliche negative Folgen wie subventionierte Nahrungsmittelexporte aus der EU oder den USA.

    Hilfslieferungen sind also nur sinnvoll, um akute Versorgungsengpässe in Notfällen dem Bedarf entsprechend zu überbrücken. Sie sind kein Allheilmittel, um das wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord und Süd auszugleichen. Auf keinen Fall dürfen sie dazu missbraucht werden, all das zu „entsorgen“, was wir bei uns in Deutschland nicht mehr brauchen. (Mehr)

  • Q. Schaden Gebrauchtkleiderexporte der Wirtschaft in Afrika bzw. der Dritten Welt?

    Die Mitglieder von FairWertung haben sich seit Gründung des Verbandes immer wieder damit befasst, wie sich Gebrauchtkleiderexporte auf die Märkte der Importländer auswirken. Mit dem „Dialogprogramm Gebrauchtkleidung in Afrika“ ist FairWertung dieser Frage vor allem in Tansania und Kamerun nachgegangen.

    Viele Gespräche vor Ort zeigten, dass die meisten Menschen überwiegend Secondhand-Kleidung tragen. Als Gründe dafür werden das gute Preis-Leistungsverhältnis und die große Auswahl an Artikeln angeführt - vor allem aber das geringe Einkommen. Für Viele ist Secondhand-Kleidung die einzige Möglichkeit, gute Kleidung zu einem bezahlbaren Preis zu kaufen. Die ebenfalls angebotene Neukleidung aus China hat dagegen oft eine schlechtere Qualität und ist klimatisch weniger gut geeignet, weil sie vielfach aus synthetischen Materialien besteht.

    Hinzu kommt, dass besonders viele Menschen, insbesondere Frauen und Jugendliche vom Handel mit gebrauchter Kleidung leben. Auch eine von einem britischen Institut 2004 in Kenia durchgeführte Untersuchung betont diesen Aspekt besonders.

    Allerdings wurde auch auf verschiedene Probleme im Secondhand-Markt hingewiesen. Dazu gehören z.B. die nachlassende Qualität der Kleidung. Aber auch Monopolstrukturen im Handel und gravierende Verstöße gegen Importvorschriften beim Verzollen und Versteuern der Waren

    Der Rückgang der Textilproduktion wird von vielen – anders als in Deutschland diskutiert –nicht in erster Linie auf den Import von Secondhand-Kleidung zurück geführt. Vielmehr seien hohe Energiekosten, ein schlechter Zugang der Betriebe zu Kapital, mangelndes Know-how, fehlende Ersatzteile etc. für die rückläufige Bekleidungsproduktion verantwortlich. Auch der Wegfall von Subventionen für die Textilwirtschaft und von Importbeschränkungen für ausländische Neutextilien im Rahmen von nationalen Umschuldungsprogrammen hätten dazu beigetragen. Deshalb sei die Annahme nicht zutreffend, dass es bei einer Einschränkung der Secondhand-Importe ein ausreichendes Bekleidungsangebot aus lokaler Produktion geben könne. Außerdem wolle man sich auch nicht von anderen Ländern vorschreiben lassen, welche Kleidung man zu tragen habe - so der häufige Tenor.

    In den 1990er Jahren noch hatte FairWertung Exporte von Secondhand-Kleidung nach Afrika kritisch beurteilt. Durch das Dialogprogramm und andere Untersuchungen teilt FairWertung die pauschale Kritik an Gebrauchtkleiderexporten heute nicht mehr.