Export von Alttextilien ist nicht illegal - Schreiben an Städte und Landkreise stiftet Verwirrung

Im August 2008 hat die EPEA Internationale Umweltforschung GmbH, Hamburg, ein Schreiben zum Export von Alttextilien an Städte und Landkreise in Deutschland ver­schickt. Darin wird u.a. behauptet, dass der Export von unsortierten Textilien in „Dritte-Welt-Länder“ einen klaren Gesetzesver­stoß darstelle. Landkreise und Kom­munen werden daher gebeten, unbedingt tätig zu werden, „um die illegale Praxis zu stoppen“.

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Frage der ordnungsgemäßen Textil­ver­wer­tung und der rechtlichen Verantwortung von Sammlern einerseits und Kommunen ande­rerseits ins Blickfeld gerückt wird. Allerdings sind die im Schreiben vom EPEA aufgestellten Behauptungen in wesentlichen Teilen falsch. Sammler und Recycling­firmen werden dadurch zu Unrecht pauschal unter den Generalver­dacht illegaler Ak­tivitäten gestellt.

Der Export von unsortierten Altkleidern ist nicht ge­nerell verboten, sondern unter­liegt gemäß EU-Verordnung 1013/2006 regionen- bzw. länderspezifischen Regelun­gen. Wesentlich ist allerdings, dass die Textilien einer ordnungsgemäßen Verwertung zugeführt werden. Dazu ist eine fachgerechte Sortierung zwingend erforderlich.

Das Textilrecycling ist traditionell ein grenzüberschreitender Wirtschaftszweig, da die Menge der in Deutschland anfallenden Gebrauchttextilien die Aufnahmekapazitäten deutscher Sortierbetriebe übersteigt. Schon seit langem wird daher ein erheblicher Teil der in Deutschland gesammelten Texti­lien direkt oder indirekt an Textilrecycling­firmen und Sortierbetriebe im Ausland ver­kauft. Allerdings ist die Verwertungskette für gemeinnützige Sammelorganisationen und Kommunen vielfach nicht durchschau­bar. Der Dachverband FairWertung hat daher seit langem durch entspre­chende Verträge mit den angeschlossenen Sammlern und Recyclingfirmen sicher­gestellt, dass die Vermark­tung der ge­sammelten Kleidung an Abnehmer im In- und Ausland den gesetzlichen Regelungen entspricht und überprüft werden kann. Die Einhaltung der vertraglichen Verpflich­tungen wird auch durch ex­terne Prüfer kontrolliert.

Das jetzt an Städte und Landkreise verschickte Schreiben lässt darauf schließen, dass die Verfasser sich bisher nur sehr oberflächlich oder gar nicht mit dem Alttextilmarkt beschäf­tigt haben. Es entsteht daher der Eindruck, dass dieses Schreiben vor allem die Funktion er­füllt, die Adressaten auf den Absender und seine Arbeit aufmerksam zu ma­chen.

i 03.09.2008