Tauschrausch statt Konsumwahn - Tauschparties liegen voll im Trend

Etwas Anderes muss her – auch wenn der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt. Zwar ist Vieles kaum getragen und so gut wie neu. Doch angezogen wird es nicht. Denn was gestern noch gefiel und toll passte, ist heute zu groß, zu klein oder einfach langweilig. Der neueste Trend, der unserem Wunsch nach Abwechslung entgegen kommt, lautet: Tauschen statt kaufen.

Heute Deins - morgen meins
Wann die Idee zum organisierten Tausch von Kleidung entstand und woher sie kam, kann niemand mehr sagen. Der private Event mit zumeist weiblichen Gästen existiert wohl schon lange. Doch seit einigen Jahren veranstalten immer häufiger Organisationen, Privatinitiativen und professionelle PR-Agenturen in Cafés, Kneipen und anderen öffentlichen Räumen sogenannte Kleidertauschbörsen. Unter dem Motto „Tausch Dich chic“, „Heute Deins – morgen meins“ oder „Tausch ´n Fummel“ treffen sich budget- und umweltbewusste Menschen, um ihre Kleidung untereinander auszutauschen.


Einladungskarte für eine Berliner Tauschbörse ©Stefanie Bendfeldt/www.chez-boo.de

Die Tauschbörsen sind so unterschiedlich wie die zum Tausch angebotenen Kleidungsstücke. Allen gemeinsam ist die dahinter stehende Idee: Swappen (engl. to swap = tauschen) statt shoppen – tauschen statt kaufen! Denn was der einen nicht mehr gefällt oder passt, kann einer anderen noch Freude bereiten. Wer an einer Tauschbörse teilnehmen möchte, muss lediglich Kleidung aus der eigenen Garderobe mitbringen. Wichtig ist, dass die Qualität stimmt, denn schließlich sollen andere sich darin wohlfühlen.

Wäscheleine, Wohnzimmer und ein großer Spiegel
Die mitgebrachten Kleidungsstücke werden wie in einem Kaufhaus auf Kleiderständern oder einem Tisch präsentiert; manchmal hängen sie einfach über einer Wäscheleine. Alle Besucher/innen können nach Herzenslust stöbern und die schönsten Stücke ausführlich begutachten. Der Veranstaltungsraum kann das eigene Wohnzimmer sein, ein Café, ein örtlicher Tanzclub oder - wie in Berlin Kreuzberg ausprobiert - ein ehemaliger Fischhandel: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Damit die Gäste ihre potentiellen Errungenschaften genauestens unter die Lupe nehmen können, dürfen weder ein großer Spiegel noch eine improvisierte Umkleidekabine fehlen. Manchmal können Besucher/innen die erstandenen Schnäppchen sogar an bereitgestellten Nähmaschinen verändern.
Zum echten Erlebnis wird eine Tauschbörse, wenn obendrein Musik gemacht und Essen und Getränke angeboten werden. Manch ein Event mündet so in eine Party, bei der die Gäste die Discotauglichkeit ihrer neuen Abendgarderobe gleich erproben können.

Nehmt, so viel Ihr braucht…


Ankündigungsplakat für Tauschbörse ©Stefanie Bendfeldt/www.chez-boo.de

Ihr Geld können Besucher/innen bei vielen Tauschbörsen zu Hause lassen. Denn die Neuzugänge für den Kleiderschrank sind schon durch die mitgebrachte Kleidung „bezahlt“. Frei nach der Devise "Bringt so viel ihr habt, nehmt so viel ihr braucht", gibt es oft nicht mal eine Mengenbegrenzung.
Es gibt allerdings auch Tauschtreffs, die von professionellen Eventagenturen organisiert werden. Sie finden z.B. im Auftrag von Frauenzeitschriften oder Kosmetikherstellern statt. Oft vergüten die Veranstalter die mitgebrachten Textilien im Voraus mit Talern oder Jetons. Während der Börse kann diese Fantasiewährung dann gegen Kleidung eingetauscht werden. So verhindern die Gastgeber, dass Besucher ein teures Designerteil mitnehmen, obwohl sie selbst nur minderwertige Kleidung abgegeben haben. Einige dieser kommerziellen Werbeveranstaltungen sind kostenpflichtig – und die Atmosphäre ist kaum mit einer kleinen, familiären Börse zu vergleichen, bei der das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund steht.

Neues Modebewusstsein
Ob „selbstgestrickt“ oder professionell: Kleidertauschbörsen sind eine gute Möglichkeit, die Lebensdauer von Textilien zu verlängern, ohne stets dasselbe tragen zu müssen. Organisationen, denen der kritische Umgang mit Bekleidungsgewohnheiten am Herzen liegt, können in ungezwungener Atmosphäre über ihre Arbeit und die Herausforderungen ökofairer Textilproduktion informieren. Auch hierdurch fördern Kleiderbörsen - als preisgünstige, sozial-ökologische Alternative zur Modeindustrie – den bewussten Umgang mit Textilien.

Fest steht: Wer einmal dabei war, zieht das Erlebnis des Tauschens öfter mal dem Einkaufsbummel in einer überlaufenen Fußgängerzone vor…

Dieser Artikel ist im Magazin Brauchbar 2011 erschienen

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